Emil Nol­de Mu­se­um See­büll


7.Mai 2026

Wel­cher Pro­vinz­ler hat hier die Dau­men in den Ho­sen­trä­gern?

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Sieht eher aus wie ein Was­ser­werk, viel­leicht auch ein ge­werb­lich­er Funk­ti­ons­bau des Back­stein­ex­pres­sio­nis­mus. Of­fen­sicht­lich hat­ten und ha­ben leicht ver­wirr­te oder bor­nier­te Men­schen (da sch­lie­ße ich den Kün­st­ler Emil mit ein) ei­nen ho­hen An­spruch for­mu­liert und da­für wur­de reich­lich Koh­le zum Fens­ter raus­gehau­en. Dies schlägt sich lei­der heut­zu­ta­ge im un­ver­schämt ho­hen Ein­tritts­preis von 12€ pro Per­son und Be­such nie­der. Da­für soll­te man schon ei­ni­ges bie­ten - doch ge­nau da sieht es eher be­schei­den aus.

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Emil Nol­de, Ma­ler des Ex­pres­sio­nis­mus ge­nannt, ist für mich eine frag­wür­di­ge Per­son. Sei­ne An­bie­de­rung an die Na­zis und auch sein spä­te­rer Um­gang mit die­ser Zeit, ist mir hö­chst un­an­ge­nehm und das Mu­se­um habe ich da­rum nur bei­läu­fig mit­ge­nom­men. Sor­ry, aber für po­li­ti­cal cor­rect­ness kriegt Emil nur Null von 10 Punk­ten! Wirk­lich nur sehr we­ni­ge sei­ner Wer­ke ge­fal­len mir oben­drein. Des­halb galt mein In­te­res­se dem Gar­ten, der ein Kunst­werk für sich sein soll­te. Auf Bil­dern im In­ter­net sah es durch­aus ver­lock­end aus und im Klei­nen muss ich sa­gen, die dich­te, ge­pfleg­te Be­pflan­zung mit kräf­ti­gen Far­ben der Blu­men, mach­te schon was her. Seht selbst. Scha­de nur, dass die Flä­che recht be­schei­den ist. Das Grund­stück gäbe mit sei­nen gro­ßen Ra­sen­flä­chen ei­ni­ges mehr her - lei­der un­ge­nutzt.

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Da­für wur­de beim Be­su­cher­fo­rum, ei­nem glä­ser­nen Neu­bau­kas­ten, der sti­lis­tisch so gar nicht in die Ge­gend hin­passt, nicht ge­spart. Hier fin­det sich die Ein­tritts­kas­se, der Mu­se­ums­shop, eine Gas­tro­no­mie, eine Mal­schu­le und ein Loop-Kino, in dem ein Dau­er­film über E. Nol­de in End­los­sch­lei­fe ge­zeigt wird. Ge­ra­de im Be­su­cher­fo­rum hat­te ich das star­ke Ge­fühl über­bor­den­der Geld­ver­schwen­dung. Da muss­te dann durch ho­hes Ein­tritts­geld ver­sucht wer­den, ein biss­chen gut zu ma­chen. Ob­wohl man an vie­len Stel­len merk­te, dass auch "merk­wür­dig" ge­spart wur­de. Zum Bei­spiel der mie­se Pro­jek­tor und der schlech­te Ton im Loop-Kino, das alt­mo­di­sche Mer­chan­dise (äh Post­kar­ten von Bil­dern Nol­des?), der zu klei­ne Gar­ten, der pein­liche Ver­such hand­ver­le­se­nes Saat­gut aus dem his­to­ri­schen Nol­de-Gar­ten zu ver­kau­fen. Ein ech­ter Brül­ler ist die dus­se­li­ge Alarm­an­la­ge im Nol­de-Haus, die pau­sen­los ver­se­hent­lich von Be­suchern aus­ge­löst wird und für viel Hal­lo im Hau­se sorgt. Letz­lich noch der Schot­ter/Sand Park­platz, als auch der Zu­weg zum Gelän­de, der we­der für schicke oder leich­te Schu­he, noch für Roll­stuhl, Rol­la­tor, Kin­der­wa­gen, noch für tritt­un­si­che­re äl­te­re Men­schen ge­eig­net ist. Ich frag­te mich in die­sen Kon­tex­ten mehr­fach: Es gibt doch eine denk­ba­re Ziel­grup­pe die­ser An­la­ge (die Gen-Z ist es nicht). Wa­rum tre­ten sie die­ser so sou­verän ins Ge­sicht? Wer glaubt, wem das so Dar­ge­bo­te­ne ge­fällt?

So ge­se­hen er­füllt die ört­liche Stif­tung, die für den gan­zen un­schö­nen Murks ver­ant­wort­lich ist, iro­ni­scher­wei­se ja ge­nau Emil Nol­des Wil­le. Es gab so ei­ni­ges, was Emil zu Leb­zei­ten nicht ge­schnallt hat und die Stif­tung scheint eben­falls eine vom Küs­ten­ne­bel ei­gen­sin­nig ver­zerr­te Wahr­neh­mung zu ha­ben. Al­lein die Au­sei­nan­der­set­zung mit der Nazi-Ver­gan­gen­heit ge­lingt der Stif­tung eben­so­we­nig, wie es Emil zu Leb­zei­ten - ja nicht mal ver­such­te. Man soll­te eben nicht er­war­ten, dass in ei­nem klei­nen Kaff Nord­deutsch­lands, nahe der dä­ni­schen Gren­ze, Kunst zeit­ge­mäß und ef­fek­tiv prä­sen­tiert wird. Scha­de - aber so ist das, wenn Bau­ern­ar­ro­ganz sich mit hin­ter­wäld­le­ri­scher Pro­vinz paart. Naja, wir wol­len ja nicht ver­ges­sen, dass es in der Ge­mein­de Neu­kir­chen, zu der See­büll ge­hört, weit­aus mehr ge­mel­de­te Scha­fe als Ein­woh­ner gibt...

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Habe ich jetzt ge­nug ab­geläs­tert? Nun - mein Be­such en­de­te also recht zei­tig in ge­wis­ser Ent­täu­schung. Vom Mu­se­um sind es nur etwa 10 Ki­lo­me­ter bis zum nörd­lichs­ten Punkt des deut­schen Fest­lands an der Nord­see­küs­te. Um da hin­zu­kom­men fährt man über ei­ni­ge Ki­lo­me­ter Marsch­land, bis man am letz­ten Damm, ganz nah am Meer, an­kommt und die ge­teer­te Stra­ße en­det. Dort gibt es ei­nen groß­zü­gi­gen Sand­park­platz, wo man über­ra­schend gut und wind­still (weil di­rekt hin­ter dem Damm) mit dem Cam­per­van ste­hen kann und ent­sprech­end rela­xed und kos­ten­los über­nach­ten kann.

Mein Tipp: Bei Wan­der­aus­flü­gen über die Dü­nen soll­tet ihr bit­te im­mer eine Kopf­be­deck­ung parat ha­ben. Das hält die Haa­re und vor al­lem die Oh­ren bei­sam­men, denn der Wind bläst hier meis­tens recht hef­tig.
Wer BAU­HAUS-Stil sucht, wird in den Pol­dern und Damm­struk­tu­ren sich­er fün­dig. Das ist "form fol­lows func­ti­on" in Rein­form.