Niederlande Rundreise
25.Okt 2024
Paleis Het Loo Apeldoorn
Der Auftakt meiner Rundreise durch die Niederlande führte mich zum Palais Het Loo bei Apeldoorn, der einstigen Sommerresidenz der Oranier. Doch kaum angekommen entwickelte sich so ein fader Beigeschmack. Während die barocke Architektur zweifellos von der Macht Wilhelm III. und Mary II. Stuart zeugt, wirkte die Anlage auf mich etwas befremdlich. Allein optisch erinnerte es mehr an die Kaserne der Marineschule in Mürwik als an ein feudales Schloss.
Besonders der massive, abschreckende Zaun, der das gesamte Areal umschließt und mich daher eher an ein militärisches Sperrgebiet erinnerte, unterstrich das Gefühl einer unnötigen und übertriebenen Ausgrenzung und Isolation. Der Garten vom Paleis Het Loo ist die einzige Rekonstruktion eines Barockgartens in den Niederlanden. Er ist im Vergleich zu vielen anderen Schlossgärten, die ich schon sah, ziemlich bescheiden und birgt keine besondere Ausstattung. Dafür ist der Eintrittspreis mit 21€ ziemlich gesalzen. Das war mir entschieden zu happig und ich habe kurz über den Zaun geblickt und bin dann nur durch einige kostenlose Nebengebäude und den das Palais umgebenden Waldpark gegangen.
Ganz anders empfing mich Giethoorn, das Wasserkanäle, statt Straßen hat. Fast wie ein kleines Venedig - nur ohne Gondola Serenade, also Sänger und Akkordeonspieler. Das Dorf entstand durch den Torfabbau im 13. Jahrhundert. Die heute malerisch wirkenden Kanäle sind Hinterlassenschaften der Arbeiter, die das "schwarze Gold", den Torf, seinerzeit auf dem Wasserweg transportierten. Da ich im Oktober unterwegs war, hielten sich zum Glück die Touristenmassen in Grenzen. Man kann ein elektrisch angetriebenes Fluisterboot mieten und fährt damit fast lautlos durch unzählige Kanäle und unter den geschwungenen Holzbrücken hindurch. Die Fußwege und Brücken sind übrigens die einzigen Zuwege zu den Häusern. Es gibt gar keine Straßen und größere Dinge müssen immer mit einem Boot ans Haus gebracht werden. Die Menschen, die dort in den hübschen Reetdachhäusern leben, sahen deshalb aber nicht unglücklicher aus. Eher das Gegenteil.
Nach einer Übernachtung im Van am Ortsrand von Giethoorn, fuhr ich weiter nach Norden zum Afsluitdijk. Dieser 32 Kilometer lange Damm gegen die Nordsee, ist ein Monument der Niederlande gegen das Meer. 1932 fertiggestellt, beendete er die Ära der unberechenbaren Zuiderzee und schuf das süßwasserhaltige IJsselmeer. Während der Fahrt über den Damm begriff ich erst richtig die gigantische Ingenieursleistung von Cornelis Lely und allen Arbeitern, die diesen monumentalen Damm gegen die Naturgewalten einst bauten.
Mein nächstes Ziel war Poortugaal. Ein Ort, den ich zunächst wegen seines komischen Namens gewählt hatte. Es sieht halt wie falsch geschriebenes Portugal aus. Das Dorf am Rande von Rotterdam blickt auf eine mittelalterliche Geschichte zurück. Die Herkunft des Namens und seine vermutete Verbindung zu Portugal oder den Portugiesen unklar ist. Ich fand am Ortsrand einen grandiosen Parkplatz auf dem auch ein paar Niederländer wild campten und genoß die herbstliche Stille. Nicht unweit des ganzen Rummels von Europas größtem Seehafen eine surreale, friedliche Stimmung, die mich beeindruckte. Als ich mein Abendessen aß und in die untergehende Sonne blickte, erfüllte mich tiefe Dankbarkeit und Freude, für die schönen Situationen, die ich auf meiner Fahrt, ja überhaupt, erleben durfte.
Der Abschluss meiner Reise sollte der Besuch des Küste sein. Das Meer sehen bei Monster. Der Name dieses Ortes, der ebenfalls irreführend klingt, geht vermutlich auf ein mittelalterliches Kloster (Monasterium) zurück. Von Mönchen oder Monstern war am Strand zum Glück nichts zu sehen und ich wanderte über die hohen Dünen an der Küste entlang. Das durchaus anstrengende Laufen auf makellos feinem Sand und die salzige Brise machten mir Appetit auf einen zünftigen, selbstgemachten Kaffee im Campervan und ein Nudelgericht. Zum Glück kann man solche Dinge abseits des Massentourismus und der Vollkommerzialisierung des Reisens noch machen. Es wird ja immer schwieriger, für kleines Geld eine Reise zu machen. Ein ausgebauter Campervan macht da allerhand möglich.























